Julias Spitzenkiste
 

Occhi

Geschichte

Die Vorläufertechniken der Schiffchenspitze kamen wohl schon im Mittelalter aus dem Orient nach Europa. Ab dem 17. Jahrhundert wird erstmals eine Technik faßbar, welche Schiffchen zur Herstellung von Knoten verwendet, das sogenannte "Knötgen knüpffen", erwähnt schon im ersten deutschsprachigen Lexikon, das sich in erster Linie an Frauen wendet.

Knötgen machen oder knüpffen
Ist eine dem Weibes-Volck gebräuchliche Kunst aus langen gedoppelten weissen Zwirns-fäden durch zusammen Schlingung vermöge eines dazu verfertigten Schiffleins ein Knötgen dicht an das andere zu hengen und anzuschlingen. Woraus hernachmahls Franzen oder auch Trotteln und Quasten an die Fenster-Vorhänge verfertigt werden.
Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon, Amaranthes (Gottfried Siegmund Corvinus, Leipzig, 1715)

Beim "Knötgen Knüpffen" werden mit Hilfe eines Schiffchens Knoten aneinandergereiht, die Knoten allerdings noch nicht von einem Faden auf den anderen transferiert, wie es für das Occhi typisch ist. Bei der gebräuchlichsten Form wird der Faden drei Mal um einen um die Hand geschlungenen Ring gewickelt, ehe der Knoten zugezogen wird.

Das Ergebnis - eine stark strukturierte Schnur - konnte nach der Fertigstellung dazu verwendet werden, erhabene Stickerei-Applikationen durchzuführen.

Die Schiffchenspitze in der heute gebräuchlichen Form entwickelte sich dann im Lauf des 19. Jahrhunderts, eine der wichtigsten Personen war hier Mademoiselle Eleanor Riego de la Branchardière.

Gemeinsam ist beiden hier genannten Techniken, dass sie hauptsächlich von Damen der oberen Schichten zum Zeitvertreib ausgeführt wurden. Es handelte sich um demonstrativen Müßiggang, bei dem zudem die schönen Hände der Damen zur Schau gestellt werden konnten. Entsprechend prachtvoll und aus entsprechend kostbaren Materialien sind viele alte Schiffchen.

Material und Technik

Das Schiffchen ist heute etwa so lange wie ein Daumen und besteht aus zwei ovalen, leicht gebogenen Kunststoff-Platten mit einem Steg oder einer Spule dazwischen. Die schmalen, leicht spitz zulaufenden Enden der Ovale berühren sich, so dass das aufgewickelte Garn sich nicht von alleine abwickeln kann, wenn das Schiffchen am Faden herunterhängt.

Meine Schiffchensammlung

Einige Modelle haben kleine "Nasen" oder Häkchen an der Spitze. Diese sind hilfreich, wenn man den Faden zum Anschlingen (d. h. Verbinden) durch ein Picot ziehen muss. Alternativ hierzu kann eine Häkelnadel benutzt werden.

Die Technik der Schiffchenspitze besteht aus sogenannten Doppelknoten, die auf einem Trägerfaden aneinander gereiht werden. Dieser Trägerfaden kann zu einem Ring zusammengezogen werden, oder aber bei Ausfährung mit zwei Schiffchen einen Bogen bilden.

Als Schmuck und zum Zusammenfügen der Spitze werden Picots eingearbeitet. Dies sind kleine Fadenschlingen, die entstehen, wenn man die Knoten nicht unmittelbar aneinander arbeitet, sondern den Faden dazwischen stehen lässt. Beim Zusammenschieben der Knoten wölbt sich dann die kleine Schlinge hoch, die der Occhi-Spitze das typische Ausshen verleiht.

Für Occhi eignet sich jedes halbwegs glatte Garn. Lediglich gewisse Effektgarne mit langen Zotteln machen Probleme.

Ab Anfang 2011 wird das neue Büchlein "Occhi für Einsteiger" im Handel erhältlich sein. Mehr Informationen folgen, so bald das Buch in den Druck geht.

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